Dienstag, August 30, 2011, 22:56 - MUSIK Beitrag von sb_admin
Sommer, Sonne - locker, leicht, nichts Tiefschürfendes ... Nach mehr als vier Wochen Knochenarbeit das Einfahren der Ernte. Sich wieder Zeit nehmen können für Unwichtiges. Zeit z.B. für unwichtig-locker-leicht-und-Oberflächliches wie "Sound of Sunshine" von Michael Franti & Jovanotti - passend zu Jahreszeit, vorherrschender Wetterlage und persönlicher Stimmung.
Freitag, August 26, 2011, 21:05 - BÜCHER Beitrag von sb_admin
Jetzt fängt wohl die Einkesselung von Paris an! Die Bahnhöfe sind anscheinend geschlossen. Fahrkarten werden nicht mehr ausgehändigt. Ich bleibe. Ich bin immer entschlossen gewesen zu bleiben. Jetzt bin ich es erst recht. Ich will nicht meine Lebensgefährten, die Tiere, opfern.
Ich wüsste nicht, wohin ich gehen sollte. Ich füge mich schlecht ein: ich mag nicht irgendwo, mit irgendwelchen Menschen zusammengepfercht leben. Ich will mich nicht der Gefahr aussetzen, bei meiner Rückkehr nichts mehr in meinem Haus vorzufinden. Die blosse Vorstellung, in Eile packen und meine Abreise organisieren zu müssen, würde mich zum Bleiben veranlassen. Ich sage mir, dass alles von den Leuten abhängt, an die man gerät. Ich kann an einen Rohling geraten. Ich kann auch an einen zivilisierten Menschen geraten. Ich bin ein alter Herr. Ich habe keine Waffen bei mir: ich bin eine harmlose Zivilperson. Was, zum Kuckuck, sollte man gegen mich haben? Ich bleibe da. Mut ist das nicht. Es ist Kaltblütigkeit, Vernunft, Ungerührtheit, Wurstigkeit. Dennoch frage ich mich, wie ich mich verhalten werde, wenn vor meinem Gartentor deutsche Soldaten auftauchen. Wenn es nun Morgen ist, wenn ich gerade aufgestanden bin und, wie immer um diese Zeit, schlechte Laune habe? Werde ich sie unterdrücken können? Werde ich auch nicht völlig aus der Fassung sein? Von weitem nehmen sich die Umstände gut aus. Man meint, seiner selbst sicher zu sein. Aber wenn es soweit ist und man mittendrin steckt ... !
Ausschnitt aus: Paul Léautaud - Kriegstagebuch 1939 - 1945. Berenberg. ISBN 978-3-937834-42-9
Sonntag, August 21, 2011, 23:23 - ISLAND / ICELAND Beitrag von sb_admin
... Wolkenbeobachter. Ihn beschäftigt ihre Wandlungsfähigkeit und Identität. Ihre ständige Verwandlung macht es schwer, ihnen Identität zuzusprechen. Solcherart ist auch die Identität im menschlichen Leben: „Wenn ich aus den Wolken jede beliebige Gestalt zu bilden und einige Zeit zu behaupten weiss: so tun wir ja alle nichts anderes mit den Gewölken unseres Lebens und bilden daraus beliebige Gestalten so lang und länger als die Wolke fest bleibt.“ Die Identität der Wolken und der „Gewölke unseres Lebens“ ist immer nur ...
... eine relative. Man könnte hinzufügen: Beständigkeit und Identität haben sie allenfalls relativ zu anderen Wolken, die sich immer mit ihnen zugleich verändern. Identität wäre demnach eine Relation. Alles lässt sich für den Wolkenbeobachter Jean Paul auf das Verhältnis von Wolken zueinander und auf ihre Wandelbarkeit beziehen: „Wir unterscheiden uns voneinander in der Höhe des Rangs wie Wolken über und unter einander.“ Eine andere Beobachtung zur Wolkenlehre: „Ein Wölkchen, das schwimmt, bedeutet mehr Veränderung als eine grosse langsame Wolke.“
Text aus: Henning Ritter - Notizhefte. Berlin Verlag.
Dienstag, August 16, 2011, 22:15 - BÜCHER Beitrag von sb_admin
... sein Leben lang Tagebuch. Er ist zusammen mit dem Herzog von Saint Simon der vielleicht ergiebigste, gebildetste und boshafteste Tagebuchverfasser der Französischen Literatur und gilt heute als einer der großartigsten Tagebuchautoren der Weltliteratur überhaupt. Seine Aufzeichnungen, mit denen er im Alter von einundzwanzig Jahren begann, enden eine Woche vor seinem Tod.
a.more.s hat hier schon mehrmals seine uneingeschränkte Bewunderung für diesen literarischen Sonderling geäussert, und es freut ihn deshalb ausserordentlich, dass [Paul Léautaud] gerade wieder einmal im Gespräch ist. Mit dem "Kriegstagebuch 1939 - 1945".